Samstag, 11. Oktober 2014

Ein Tag an der Onalaska HighSchool

Ein Tag in einer amerikanischen Schule läuft definitiv komplett anders ab als in einer deutschen Schule. Das ganze Schulsystem ist komplett anders, es ist nicht so effektiv wie beispielsweise die deutsche Schule, die Leistungen die die Schüler abliefern müssen sind nicht so hoch aber mir macht die Schule hier persönlich viel mehr Spaß. Ich will jetzt mal an meinem Schultag erklären wie es in der Schule hier so zugeht.

Mein Tag beginnt mit PreCalculus dem zweit schwersten Mathekurs der angeboten wird. Der Stundenplan ist für jeden Schüler verschieden, man wählt am Anfang des Schuljahres aus verschiedenen Kursen, die man dann jeden Tag hat. Deshalb verlässt jeder Schüler die Schule mit unterschiedlichem Wissen. Es ist aber nicht so dass man seinen Abschluss bekommt ohne jemals einen Mathekurs gehabt zu haben. Verschiedene Kurse müssen in der Schullaufbahn gemacht werden oder man kann keinen Abschluss machen. Ich starte also mit einem Mathekurs, obwohl: zuerst kommen die Morning-Announcements. Jeden morgen zuerst der Flag-Saloute über den Lautsprecher. Dieser lautet:

"I pledge allegiance to the Flag of the United States of America, and to the Republic for which it stands, one Nation under God, indivisible, with liberty and justice for all."

Also:  „Ich schwöre Treue auf die Fahne der Vereinigten Staaten von Amerika und die Republik, für die sie steht, eine Nation unter Gott, unteilbar, mit Freiheit und Gerechtigkeit für jeden.“ Dazu steht
man auf, wendet sich zur amerikanischen Flagge die in jedem Zimmer hängt und legt die Hand aufs Herz. Wer eine Kappe oder Mütze auf hat zieht sie ab. Nach dem Falg-Saloute kommen die restlichen Nachrichten des Tages, zum Beispiel über Sportevents, Geburtstage und Exkursionen. Dienstags und Freitags werden auch noch Witze erzählt. Da sieht man mal wieder dass die Amerikaner viel lockerer drauf sind als wir, wer würde bei uns schon Witze über den Lautsprecher erzählen?
PreCalculus ist im Moment noch ziemlich schwierig, ich komme mit den Wörtern noch nicht so ganz mit und bin in Mathe eh nicht die hellste Kerze am Kronleuchter.

Meine nächste Stunde ist VideoProductions. Hier lernen wir viel über Kamera-Einstellungen und machen unsere eigenen kleinen Filme. An mindestens zwei Tagen der Woche schauen wir aber auch Filme und lernen mit Herr der Ringe und co. Alles ganz realaxed. Die Schule bietet uns viel technisches Material wie die Kameras, das Schnittprogramm (ziemlich professionell) und Computer.
Zwischen den Stunden geht man zu seinem Locker, also seinem persönlichen Schließfach in dem man seine Sachen hat. Jeder Schüler hat seinen eigenen Locker, meiner ist hier links, Nummer 188, leider einer in der unteren Reihe.

Nach VideoPro habe ich Englisch. Hier schreiben wir Aufsätze, machen Projekte und lesen Bücher. Die HighSchool erinnert mich eher an eine Art Sommerkampus. Diese Camps wo man hingeht um etwas zu lernen, aber auch ein bisschen Spaß zu haben. Man lernt in der Schule, hat gleichzeitig aber auch viel Zeit für Freunde oder um sich zu unterhalten. Allgemein sind die Regeln in der Schule viel besser als in Deutschland. Hier interessiert es niemanden ob man während den Stunden schläft, isst und trinkt, aufs Klo geht oder das Handy draußen hat. In der gesamten Schule gibt es freies WLan, ziemlich gut weil eigentlich keiner Empfang hat. Nur während Tests und Arbeiten sind Handys verboten.
In den USA schreibt man zwar viel mehr Tests als in Deutschland, kann so aber aber vergeigte Noten schnell wieder aufbessern. Die Noten bekommt man übers Internet, man kann sich auf der Schulwebsite einloggen und sehen auf was man so steht. Was sehr streng kontrolliert wird ist die Answesenheit von allen Schülern. Weil jeder einen anderen Stundenplan hat, ist die Gefahr das jemand zwischen den Stunden verschwindet natürlich größer. Darum wird vor jeder Stunde die Anwesenheit überprüft.

Nach Englisch habe ich AP Environmental Science. AP steht für Advanced Placement, der Kurs ist dementsprechend ziemlich schwer und beinahe auf dem Level eines Collegekurses. In Environmental Science beschäftigen wir uns im Großen und Ganzen mit der Umwelt, also Ökosystemen, dem Klimawandel, Bevölkerung, Naturkatastrophen und vielem mehr, eben alles was in unserer Umwelt passiert. Außerdem machen wir Experimente im Labor. Mir gefällt das Fach obwohl ich noch nicht so viel mitbekomme weil die Wörter ziemlich schwierig sind.
Eine große Besonderheit an diesem Fach: Jeder bekommt zum Beginn der Stunde seinen eigenen Laptop (rechts), genauer ein GoogleChromebook. Die Science Klassen finden in einem Internetforum statt, dort können wir diskutieren, bekommen Fragen gestellt und recherchieren. Auch für Tests benutzen wir den Computer. Parallel haben wir natürlich auch einen Lehrer den wir Fragen stellen können. Dieser stellt auch die Fragen für uns online. Wer jetzt denkt dass man ja dann die ganze Zeit auf Facebook unterwegs sein kann liegt falsch, Seiten wie Facbook und YouTube sind gesperrt.

Nach Science haben wir LunchBreak, also Mittagessen. Das Essen ist..., naja..., furchtbar? Ich lerne wirklich meine Mensa in Deutschland zu schätzen, hier gibt es jede Woche das selbe und es ist wirklich nicht besonders gut. Wir haben nur eine gute halbe Stunde Mittagspause, da die Stunden länger sind als in Deutschland. Die Schule beginnt um 08:15 und endet um 15:10 Uhr. Die Stunden gehen ca. 55 Minuten, zwischen den Fächern haben wir 4 Minuten Pause, die man aber braucht wenn man zu seinem Locker und zurück geht.




Nach der Mittagspause habe ich Weights, also Gewichte heben. Ich habe das ehrlich gesagt noch nie vorher gemacht, aber es ist eigentlich gar nicht so schlecht. Ich bin nicht besonders gut, aber die Notengebung in diesem Fach funktioniert größtenteils über Anwesenheit und das Notebook das man einreichen muss. Darin muss man festhalten was man an welchem Tag gemacht hat.


Nach Weights kommt ein spaßiger Teil des Schultages. Wir nennen es Core/Flex. Die Lehrer bieten verschieden Clubs für eine halbe Stunde an. Ich bin im DanceClub, wir lernen Swing-Dancing, und es macht viel Spaß. Wer Probleme in einer Klasse hat kann in dieser Stunde auch eine Art Nachhilfe nehmen und sich so verbessern. (Ich wechsle wahrscheinlich demnächst in PreCalculus ;).)

Letzte Stunde: Choir. Wie sind ein ziemlich großer Schulchor mit ca. 30 Leuten. Insgesamt gesehen sind wir nicht sooo gut, aber da man sich jeden Tag sieht wird das schon. Über das Schuljahr haben wir verschiedene Auftritte und am Ende des Jahres fahren wir nach Silverwood, einen großen Freizeitpark. Im Moment singen wir "Sleigh Ride", ein Medley aus "Phantom of the Operah", "Somebody to Love" und ein paar andere Lieder.
Ein weiteres Plus an diesem Schulsystem ist die Inklusion von geistig behinderten Kindern. Wie haben einige Schüler mit dem DownSyndrom an unserer Schule, die eine spezielle Förderung und einen extra Betreuer bekommen. Teils nehmen sie an regulären Klassen teil, teils an speziellen Klassen.

Nach der Schule bin ich im CrossCountry Training und um 17:30 dann endlich fertig. Die Tage sind lang, wir haben Hausaufgaben, aber es macht Spaß. Die Schule ist der Mittelpunkt im alltäglichen Leben hier, viel mehr als in Deutschland.